Ausloberin/Auftraggeberin: Stadt Marktoberdorf
Wettbewerbsart: Beschränkter städtebaulicher und landschaftsplanerischer Realisierungswettbewerb
Projektgebiet: Ehemaliges Krankenhausareal in der Hochwiesstraße, Stadt Marktoberdorf
Bearbeitungszeitraum: 2017
Rang: 1. Preis
 

Wettbewerbsaufgabe

2013 hat das Kommunalunternehmen Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren im Zuge der Neustrukturierung seiner Häuser den Klinikstandort Marktoberdorf aufgegeben. Seit der Schließung liegt das Gelände am südöstlichen Stadtrand brach. Nachdem die Bemühungen für eine medizinische Weiternutzung gescheitert waren, hat die Stadt Marktoberdorf beschlossen, auf dem Grundstück Geschosswohnungsbau zur Deckung des akuten Wohnungsbedarfs zu realisieren. Für eine nachhaltige Entwicklung soll im Rahmen des Wettbewerbs ein städtebaulicher Rahmenplan erarbeitet werden, der als Grundlage für die nachfolgende Bauleitplanung dienen soll.

Mit dem neuen Wohnquartier soll am Ortseingang von Marktoberdorf eine aus städtebaulicher und architektonischer Sicht modellhafte Bebauung entwickelt werden, die mit gliedernden und vernetzten wohnungsnahen Grünstrukturen eine überdurchschnittliche Aufenthaltsqualität erreicht. Bereits zu Beginn soll durch Angebote für verschiedene Zielgruppen eine Monostruktur -
sowohl was die Gebäudetypen wie die Altersgruppe der Bewohner angeht – vermieden werden. Gewünscht sind Wohnungsangebote, die alle Lebensphasen der Bewohner berücksichtigen. Dieses Prinzip soll sich von der Grundstücksstruktur über die einzelnen Gebäude bis später hin zu den Wohneinheiten wie ein roter Faden durchziehen, um größtmögliche Flexibilität für die künftige Entwicklung bereits heute mitzuplanen. Das neue Quartier soll nicht nur eine Siedlungsstruktur im Grünen werden, sondern durch eine durchdachte barrierefreie Erschließung mit Straßen und Wegen eine hohe Wohn- und Wohnumfeldqualität entwickeln. Außerdem ist eine gute Vernetzung sowohl innerhalb des Quartiers, wie auch mit dem Stadtzentrum zu erreichen. Ein Quartiersplatz mit verschiedenen Nutzungen, wie z.B. Tagescafé, Quartierstreff und ein Spielplatz könnte ein Ort der Identifikation für die Bewohner werden. Der klaren Gliederung des Areals in öffentliche, halböffentliche und private Bereiche wird dabei eine hohe Bedeutung beigemessen.

 

 

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Entwurfsidee

Jeder Entwurfsprozess beginnt mit der Suche nach dem besonderen Geist des Ortes. Der bis zu sechsgeschossige Solitärbau des ehemaligen Krankenhauses Marktoberdorf mit seinen Nebengebäuden hatte die Sohle des steil abfallenden Hanges der Buchel kräftig belegt, auch die etwas dezentrale Lage des Krankenhauses war für die damalige Nutzung nicht nachteilig. Die Neubesetzung des Ortes erfordert aus Sicht der Entwurfsverfasser einen Städtebau, der sich einerseits in den sehr spezifischen und topographisch überformten Naturraum einbettet und anderseits eine robuste Struktur und Gebäudesituierung vorgibt, die sich in diesem Umfeld behaupten kann. Ein weiterer Aspekt des Entwurfsansatzes ist eine zügige, abschnittsweise Realisierbarkeit der Gebäude, um den dringenden Wohnraumbedarf der Stadt zu decken. Die Situierung von fünf, in die Topographie und die Grünstruktur eingebetteten, Baufeldern mit unterschiedlichen Bautypologien ermöglicht eine individuelle Umsetzung unterschiedlicher Wohnformen in jedem Bauabschnitt. Die „5 Höfe“ sollen dabei durch ihre Anordnung, Belegung und interne Bespielung eine neue und markante Identität für den Ort schaffen.

 

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Auszug aus dem Protokoll des Preisgerichts

Der Entwurf formuliert äußerst gelungen fünf identitätstiftende Wohnhöfe, die überzeugend sozial-räumlich gute Nachbarschaften bilden. Die in cleverer Weise aus einfachen Einzelgebäuden und Wohnriegeln gebildeten Höfe sind räumlich gut proportioniert und bleiben aufgrund des gelungenen Erschließungskonzepts frei von KFZ-Verkehr. Hier ist eine ruhige und geschützte Wohnqualität gewährleistet. Die Ausmaße der Kubaturen gewähren einfache und flexible Grundrissbildungen. Die Umsetzung durch verschieden Bauherren und Architekten ist naheliegend möglich. [...]
Das Areal wird verkehrstechnisch effektiv durch eine Straßenspange zwischen Hochwies- und Saliterstraße erschlossen. Die weitere Erschließung erfolgt fußläufig. Rettungswege für die Feuerwehr erscheinen in der Durcharbeitung gut lösbar. Die Planung nimmt auf die vorgegebene Topografie Rücksicht und bietet in gelungener Weise Fußwegeanbindungen in den Landschaftraum Buchel an. Der Baumbestand kann bei diesem landschaftsbezogenen Entwurf fast außnahmslos erhalten bleiben. Die entlang der Hochwiestraße angeordneten Baukörper schirmen den Verkehrslärm ab, ohne die angemessene städtebauliche Korngröße zu verlassen. Die angedachten Nutzungen Kita, Lebenshilfe, Bäckerei sind sinnvoll am östlichen Eingangsplatz zur Saliterstraße angeordnet. Dies ermöglicht einen stadträumlichen Bezug auch zu den östlichen Siedlungsbereichen und hält den Hol- und Bringverkehr aus dem Inneren des Quartiers heraus. Die gestufte Hierarchie der Freiräume, die neben attraktiven öffentlichen Räumen auch geschützte Gemeinschaftshöfe vorhalten, ist eine Stärke des Beitrags. Die angedeuteten Gebäudetypen lassen eine einfache Realisierung sozialer Mischung und eine angenehme Wohnatmosphäre erwarten. Der ruhende Verkehr wird bezogen auf die jeweiligen Höfe in darunter liegenden Tiefgaragen untergebracht. Dadurch wird eine effiziente und abschnittsweise Bauausführung möglich. Die oberirdischen Stellplätze und die Tiefgaragenzufahrten sind sinnvoll angeordnet. Insgesamt gelingt den Verfassern eine stadträumlich gute Umsetzung der Planungsziele. [...]

 

 

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