Auftraggeber: Gemeinde Mauerstetten / LKR Ostallgäu
Projektgebiet: Mauerstetten, Bebauungsplan mit Grünordnungsplan ‚Dorfanger‘
Bearbeitungs-/Realisierungszeitraum: 2011 – 2012

Projektbeschreibung

Aufgabe: Schaffung eines ortskernnahen, verdichteten Wohnstandorts mit verschiedenen Wohnformen, Kleinkindergarten (Krippe) und Spielplatz

Ablauf des Planungsprozesses:

  • Vorgeschaltetes Bewerbungsverfahren
  • Entwicklung eines städtebaulichen Gesamtkonzeptes mit östlich angrenzender Wiese (BA II – z. Zeitpunkt der Planerstellung nicht verfügbar) im Workshop gemeinsam mit dem Gemeinderat mit Hilfe von Arbeitsmodellen
  • Bauleitplanverfahren mit Verfahrensbegleitung
  • Begleitende Beratung bei Bauanträgen während der gesamten Umsetzungszeit

 

Städtebauliche Zielsetzungen:
Zentraler Entwurfsgedanke war die Schaffung einer Wohnsiedlung mit einem möglichst breiten Angebot unterschiedlicher Wohntypologien: Einzel- und Doppelhäuser von ca. 300 – 650 m² Grundstücksgröße sowie 7 Mehrfamilienhäuser mit (barrierefreien) Geschosswohnungen.

Bei den Vorplanungen zeigte sich, dass neben möglichen Pendlern (Kaufbeuren liegt ca. 4,0 km westlich entfernt) insbesondere auch bei den Einheimischen ein Bedarf an Geschosswohnungen besteht: gerade ältere Bewohner, denen z.B. ihr Haus mit Garten zu groß wird, welche aber gerne weiterhin in Mauerstetten wohnen wollen, zeigten sehr großes Interesse an dieser vorgeschlagenen Wohnform.

Die städtebauliche Umsetzung erfolgte durch vier Wohnquartiere mit einem jeweils individuell gestalteten Quartiersplatz. Die vier Plätze werden über eine geschwungene, in Ost-West-Richtung verlaufende Angerstraße (mit weiterer Anbindemöglichkeit an BA II) und die davon abgehenden schmalen Wohnstraßen miteinander verbunden.

Drei der Quartiersplätze werden hierbei durch Mehrfamilienhäuser winkelförmig eingefasst – eine Formensprache, die aus der Typologie landwirtschaftlicher Hofstellen abgeleitet wurde – und bilden zusammen mit dem verkehrsberuhigten Straßenraum die städtebaulichen Kerne der Wohnquartiere. Hierdurch soll, neben der reinen Funktionalität und Erschließung, Raum zum Aufenthalt und zur Identifikation geschaffen werden. Die Integration der geplanten Kinderkrippe in einem dieser Gebäude (z.B. angrenzend an den Spielplatz) mit dem Ziel der Begegnung von Jung & Alt konnte dabei leider nicht umgesetzt werden.

Bei den Festsetzungen der Baukörper wurde besonders darauf geachtet, dass trotz einer Vielfalt möglicher Dachformen (Satteldach, Pultdach, versetztes Pultdach) durch Definition von Mindest- und Maximalhöhen eine möglichst einheitliche Dachlandschaft erzielt wird.

Ein weiteres zentrales Element der Festsetzungen war die Definition von Baulinien in Form von Baukorridoren: eine stringente Ausrichtung der Gebäude entlang einer festgesetzten Linie war nicht gewünscht – durch Schaffung eines ca. 2m tiefen Baukorridors (eine Gebäudeaußenwand muss im Bereich dieses Korridors errichtet werden) wurde jedoch ein Kompromiss geschaffen, der die Baumöglichkeiten nicht zu sehr einschränkt und zugleich sicherstellt, dass die Gebäude nicht weit abgerückt vom Straßenraum errichtet werden.
 

 

 

Umgang mit Lärmimmissionen:
Maßgebend für die Planung waren die in das Baugebiet einwirkenden Lärmimmissionen aus der südlich angrenzenden Staatsstraße 2014 (Schongauer Straße). Die Einhaltung der Immissionsgrenzwerte wurde im südwestlichen Teil des Grundstücks durch Abrücken der Bebauung (aktiv) erreicht. In der Südostecke wurden die Maßgaben des Immissionsschutzes sowie der Straßenbehörde zugunsten einer gewünschten Verengung des Straßenraumes städtebaulich überwunden – für diese Gebäude war somit die Festsetzung technischer (passiver) Maßnahmen an den entsprechend belasteten Fassaden erforderlich.

Grünordnung und Artenschutz:
Der prägnante im Norden verlaufende ehemalige Bahndamm (alte Strecke Kaufbeuren – Schongau) wurde in das Freiraumkonzept integriert – durch Abrücken der Bebauung vom Bahndamm blieb der Lebensraum z.B. für Zauneidechsen und weitere Amphibien erhalten. Auch der im Süden des Baugebiets entlang der Schongauer Straße bestehende, prägnante Baumbestand blieb weitest-gehend erhalten. Entlang des im Westen verlaufenden Unterangerweges (neuer Ortsrand) wurde im öffentlichen Straßenraum eine neue straßenbegleitende Baumallee geschaffen – die gewünschte Begrünung im öffentlichen Straßenraum des Dorfangers wurde im Zuge der Entwurfsplanung in die Vorgartenzone der Privatgrundstücke verlegt.