Auftraggeber: Kreisfreie Stadt Kempten LKR Oberallgäu im Auftrag der Sozialbau GmbH Kempten
Projektgebiet: Kempten, Bebauungsplan mit Grünordnungsplan Jakobwiese
Bearbeitungs-/Realisierungszeitraum: 2011 – 2012

Projektbeschreibung

Aufgabe: Änderungen von zwei Bauquartieren im rechtsgültigen Bebauungsplan „Jakobwiese“ der Stadt Kempten zur Schaffung städtebaulicher Rahmenbedingungen für neue Wohn- und Gebäudetypologien sowie Umgestaltung des begleitenden öffentlichen Straßenraums und des Alfred-Weitnauer-Platzes.

Ablauf des Planungsprozesses:

  • Beauftragung durch die Sozialbau Kempten GmbH in Abstimmung mit dem Stadtplanungsamt zur Erstellung einer städtebaulichen Machbarkeitsstudie
  • Abstimmung des Planungsprozesses mit Architekturbüro Becker / Kempten (Hochbau)
  • Verfahrensbegleitung und Bürgerinformationsabend
  • Umsetzung der favorisierten Planungsvariante mit 5. Änderung des rechtsgültigen Bebauungsplans „Jakobwiese“ im vereinfachten Verfahren nach § 13 BauGB

 

Städtebauliche Zielsetzungen:
Der rechtsgültige Bebauungsplan Jakobwiese sah -analog dem bereits bestehenden Gebäude auf dem südlich angrenzenden Baugrundstück - innerhalb des Geltungsbereiches die Errichtung von zwei weiteren Gebäuden als Blockrandbebauung vor. Die beim bestehenden Gebäudeblock umgesetzte sehr kompakte und geschlossene Bauweise sollte insbesondere gegenüber dem unmittelbar westlich angrenzenden, prägnanten Naturraum mit Blick in das Rottachtal aufgelöst und mit Einzelbaukörpern aufgelockert werden.

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Ergebnis der städtebaulichen Untersuchung war die Situierung von 4 viergeschossigen Gebäuden je Baufeld, welche durch ihre Stellung eine weniger dichte Raumkante gegenüber der Alfred-Weitnauer-Straße im Osten bilden und sich insgesamt besser in das bestehende städtebauliche Umfeld einfügen – die bisher sehr hohe Dichte der überbaubaren Fläche wurde dabei um ca. 20% reduziert. Durch eine fein gestufte Höhenstaffelung jedes einzelnen Gebäudefeldes („Schollen“) entstanden zwischen den Baukörpern abwechslungsreiche Grünanlagen mit Privatgärten und (halb-) öffentlichen Erschließungswegen. Durch die unterirdische Anordnung der Stellplätze konnte der gesamte Innenhofraum verkehrsfrei gestaltet werden.
Im Baufeld WA 4, angrenzend an den Alfred-Weitnauer-Platz, wurde durch Überhöhung des Erdgeschosses die Möglichkeit zur Anordnung eines Verkaufs- oder Gastronomiebetriebes mit Außenraumzuordnung (z.B. Tische) nach Süden geschaffen.
 

 

Die Festsetzungen im Baugebiet (Höhen und Dachformen) erfolgten in sehr enger Abstimmung mit der Vorhabenträgerin, der Stadt Kempten und dem Architekturbüro Becker aus Kempten. Durch die Realisierung beider Baufelder „aus einer Hand“ war eine sehr homogene und einheitliche Umsetzung und Architektur möglich.
Im Zuge der Umplanungen wurde auch der öffentliche Straßenraum der begleitenden Alfred-Weitnauer-Straße umgestaltet: auf der Westseite wurde eine weitere durchgehende Baumreihe mit der Möglichkeit zur Anordnung von Längsparkern geplant. Zur Verkehrsberuhigung wurden zwei Querungshilfen mit Fahrbahnverengungen sowie eine Haltestelle für den Linienbus vorgesehen.


Umgang mit Lärmimmissionen:
Aufgrund der relativ ruhigen Wohnlage ohne Durchgangsstraße waren keine weiteren Maßnahmen zum Immissionsschutz erforderlich. Lage und Anordnung der möglichen Tiefgaragenzufahrten blieb gegenüber den vorigen Festsetzungen nahezu unverändert.

Grünordnung und Artenschutz:
Die wesentliche Leitidee des Konzeptes war die Öffnung der Innenhofräume nach Westen. Der hier entlang der Hangkante zum Rottachtal vorhandene, sehr prägnanten Baumbestand konnte damit naturräumlich in das städtebauliche Konzept integriert werden – dies wurde durch das neu geplante Wegesystem zwischen den Gebäudebaufeldern mit Anschluss an den bestehenden Fußweg im Westen unterstrichen.
Die bestehende Baumreihe entlang der Alfred-Weitnauer-Straße wurde durch eine weitere Baumreihe westseitig ergänzt. Der neu gestaltete öffentliche Straßenraum mündet im Süden in den Alfred-Weitnauer-Platz und wird dort durch ein neu angelegtes Baumfeld mit 9 Einzelbäumen räumlich abgeschlossen.

Aufgrund der Anwendung des §13 mit Überplanung bestehenden Baurechts war für die Maßnahme kein weiterer Ausgleich erforderlich – die bereits festgesetzte Ausgleichsfläche im Südwesten des Bauquartiers blieb (in etwas reduziertem Umfang) erhalten.