Auftraggeber: Stadt Kempten
Projektgebiet: Nordosten von Kempten
Bearbeitungs-/Realisierungszeitraum: 2010 - 2015

lars consult nordspange kempten landschaftspflegerischer begleitplan

 

Projektbeschreibung

Die Stadt Kempten beabsichtigt zur Verbesserung der Verkehrsabwicklung in den Gewerbestandorten Stiftsbleiche und Ursulasried eine neue Straßenverbindung (Nordspange) über die Iller zwischen der Memminger Straße im Westen und der Kaufbeurer Straße im Osten herzustellen.


Mit dem Bau der Nordspange soll eine wesentliche Entlastung des vorhandenen nördlichen Straßennetzes der Stadt Kempten, insbesondere dem Adenauerring, der Kaufbeurer Straße und dem Knotenpunkt Berliner Platz erreicht werden. Im Vorfeld wurde im Jahr 2007 eine Variantenstudie durchgeführt, in der die jetzt in der Umsetzung befindliche Trasse als die naturschutzfachlich günstigste ermittelt und in den Flächennutzungsplan übernommen wurde. Die Trassenlänge für den Vollausbau der Nordtangente zwischen der Memminger Straße im Westen und der Dieselstraße im Osten beträgt ca. 1.485 m. Damit sich alle Entscheidungsträger, Betroffenen und Bürger ein Bild des geplanten Verlaufes machen können, wurde die geplante Straßentrasse visualisiert (3D).

 

 

Als naturschutzfachlicher Ausgleich wurde unter anderem die Verlegung und natürliche Gestaltung des Ursularieder Bachs vorgenommen. Bei Hochwasser wie im Frühjahr 2013 kann die Iller in diesen Bereich einstauen und neue Strukturen schaffen. Dadurch wird hier ein sich immer wieder verändernder Lebensraum geschaffen in dem Fledermäuse, Libellen, Vögel und andere Arten einen natürlichen Iller nahen Lebensraum vorfinden.

 

Leistungsumfang

  • Erfassung der vorkommenden Arten
  • Erstellung des Grünordnungsplanes zum Bebauungsplan „Nordspange Kempten"
  • Umweltbericht zum Vorhaben
  • 3-D-Visualisierung der Planung
  • Erstellen der speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung
  • Erstellung des landschaftspflegerischen Begleitplanes
  • Ökologische Baubegleitung während der Umsetzung

 

 

 

 

Landesbund für Vogelschutz e.V. lobt Eingriffsplanung der Nordspange Kempten

Im Jahresheft 2016 des LBV schreibt Herr Thomas Blodau über das Projekt unter der Überschrift "Nordspange Kempten - mehr als nur Straßenbau..."

 
...so konnte man es an den Infotafeln während der Bauzeit der Nordspange lesen. Ende 2015 wurde die von vielen Naturschutzverbänden - auch dem LBV - abgelehnte Verbindungsstraße durch das Landschaftsschutzgebiet offiziell eröffnet.

Was ist aus den Ankündigungen der umfangreichen Ausgleichsmaßnahmen geworden? Um es gleich vorweg zu nehmen: Im Rahmen der umfangreichen ökologischen und landschaftspflegerischen Maßnahmen auf 24 Hektar ist ein in unserer Region beispielloses Konzept umgesetzt worden, das nicht nur - wie leider viel zu häufig - in Wort und auf Papier Bestand hat.

Wer sich noch an den in einer Betonrinne verlaufenden Ursulasrieder Bach auf Höhe des Biomassehofes erinnern kann, wird das Fließgewässer entlang der Straße kaum wieder erkennen. Zusätzlich wurde der Bachlauf auf einer Länge von ca. 840 m durch den Illerauwald nach ökologischen Gesichtspunkten verlegt. Auf eine Ufersicherung wurde bis auf kurze Bereiche im Ein- und Auslauf verzichtet. Der Bach kann sich so seinen Weg durch die Auwaldfläche in der Riederau selbst gestalten und formen. Bei hohem Wasserstand können große Waldbereiche überflutet werden und schaffen so den auwaldtypischen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten.

Durch eine Erweiterung des Illerbettes um eine Auwaldinsel wurde eine großzügige Kiesinsel geschaffen, die vielen Limikolen und Wasservögeln eine Rast- und Brutstätte bietet. Der Eisvogel ist dort schon regelmäßiger Gast und auch Wasseramsel sowie Gänsesäger lassen sich dort häufig beobachten.
  Für Amphibien wurde entlang der gesamten Straßenführung ein Leitsystem mit Durchlässen angelegt. Die Durchlässe können auch von großen Säugetieren genutzt werden. Es wurden auch mehrere große Stillgewässer geschaffen, von denen viele Amphibienarten in großem Maße profitieren werden. Um Fledermäuse am niedrigen Überfliegen der Straße zu hindern, wurden hochstämmige Bäume am Fahrbahnrand gepflanzt und die Brücke durch seitliche Verkleidungen als erkennbares Hindernis gestaltet. Vogelschlag an den Glasflächen wird durch die abschnittsweise sandgestrahlten Scheiben verhindert.

Auf 2900 m² rund um den ehemaligen Hundesportplatz wurden Flächen für den Wiesenknopf-Ameisenbläuling teilweise entbuscht, gepflegt und falls erforderlich neu eingesät. Das einzige Vorkommen dieser wunderschönen Schmetterlingsart im Kemptener Stadtgebiet ist somit langfristig gesichert.


Die Planungen des Büros LARS consult und die Umsetzung durch die beteiligten Baufirmen sind ein Aushängeschild für die Stadt Kempten bzgl. Eingriffsplanungen geworden. [...]


Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass durch die gelungenen und großzügig gedachten und durchgeführten Maßnahmen sogar eine ökologische Aufwertung stattgefunden hat. Man darf nicht immer nur kritisieren, sondern man muss auch einmal verdientes Lob aussprechen können. Chapeau!"